Handhabung / Pflege / Besonderheiten von Kites
Wie ist der Kite zu bergen
Sollte der Kite z.B. in eine Dornenhecke oder in einen Baum geflogen sein, bitte den Kite nicht an den Leinen mit aller Gewalt wieder herausziehen, sondern überlegt und mit Ruhe vorgehen, um den Kite zu bergen. Dabei kann es hilfreich sein, erstmal die Leinen auf einer Seite der Bar zu lösen und den Kite mit den anderen Leinen zu sichern (irgendwo festbinden oder einen Freund bitten, die Bar zu halten, bis der Kite geborgen ist) damit sich der Kite während der Bergungsaktion nicht noch mal selbstständig macht und weiteren Schaden anrichtet.
Manchmal ist es auch von Vorteil, die Luft abzulassen, bevor man die eigentliche Bergung startet. Das Tuch jetzt vorsichtig vom Kollisionsgegner trennen und zu Hause den Kite mit Süßwasser abwaschen. (Achtung: Spinnakertuch niemals im Chlorwasser eines Swimmingpools auswaschen, da das Tuch dadurch so geschwächt wird, dass man unter Umständen mit dem gestreckten Finger Löcher hineinstoßen kann). Zum Trocknen des Kites sucht man sich ein gut belüftetes Plätzchen im Schatten (den Drachen niemals in der prallen Sonne trocknen).
Bevor man den defekten Kite zum Segelmacher bringt, sollte man ihn reinigen und trocknen. :-)
Notreparaturen
Meistens passieren kleine Schäden am Kite, wenn es gerade am Schönsten ist. Dann ist der Tag nur noch mit einer Notreparatur zu retten. Solche Reparaturen führt man am Besten mit selbstklebendem Spinakertape oder Nummertuch aus dem Segelsport aus. Zu beachten ist hierbei nur, dass es in den seltensten Fällen gelingt, die Reparaturstelle so sauber und fettfrei zu bekommen, dass die Klebung auch länger Wässerungen übersteht ohne aufzugehen. Spätestens, wenn die schadhafte Stelle unmittelbar an einer Naht oder Verstärkung angrenzt, kriecht das Wasser darunter und löst den Flicken ab.
Wenn Gaffatape verwendet werden muss, bitte nach dem Kiten gleich wieder entfernen.
Sollte weder Spinakertape noch Nummerntuch für die Reparatur zu Verfügung stehen, ist man gezwungen die Reparatur mit Gaffatape oder Ähnlichem auszuführen. Das Tape sollte unmittelbar nach dem Kiten wieder entfernt werden, sonst gibt es hässliche Spuren von Kleberresten, die sich nur durch das Herausschneiden der betroffenen Stellen entfernen lassen.
Reparaturen am Tuch
Hierbei wird die beschädigte Stelle aus dem Tuch heraus geschnitten. Durch Zusammenkleben mit Kreppband bekommt man dann eine exakte Schablone für die Anfertigung eines passenden Stück Materials, um Stelle auszubessern. Solche Reparaturen lassen sich aufgrund der geringen Tuchdicke, mit etwas Geschick ohne Weiteres mit einer herkömmlichen Haushaltsnähmaschine ausführen.
Reparaturen an Fronttube
Sind da schon um Einiges komplizierter, denn hier bei kommt es auf jeden Millimeter an.
Außerdem muss der Fronttube stets erst großflächig aufgetrennt werden, bevor mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden kann. Auch hier wird wieder so vorgegangen, dass man zuerst das defekte Stück Material entfernt, um es nach Anfertigung der Schablone durch ein exakt angefertigtes Stück neuen Materials zu ersetzen. Nachdem dieses Stück eingenäht ist, muss der Tube wieder zugenäht werden. Bei den alten Mylartubes ist bei dieser Arbeit darauf zu achten, dass man nicht in der Linie der ursprünglichen Naht nähen darf ( dadurch , dass sich die einzelnen Stiche durch die zweite Naht in der gleichen Linie zu nah an einander befinden würden, entstände eine Perforationslinie entlang der Tube, die beim ersten Aufschlag auf die Wasseroberfläche bereits reißen könnte). Zur Lösung dieses Problems näht man den Tube 1mm enger ab. Es ist allerdings darauf zu achten, dass man die Übergänge rechts und links am Nahtansatz weich fließend gestaltet. Dass die Verarbeitung von vier Lagen Segeltuch mit einer Haushaltsnähmaschine unmöglich ist, dürfte klar sein. Hier ist auf jeden Fall der Fachmann gefragt.
Gute Reparaturen - Schlechte Reparaturen
Schlechte Reparaturen erkennt man daran, dass die defekte Stelle im Material nicht herausgeschnitten, sondern nur mit einem Flicken abgedeckt wurde. Noch schlimmer ist es, wenn die defekte Stelle beidseitig mit Material belegt worden ist. Das sorgt für Spannungen im Gefüge und bewirkt, dass das umliegende Material erheblich schneller verschleißt.
Kitetuning? Latten an den Tips nachrüsten?
Oft werde ich gefragt, was bringt es, Latten an Tubekites nach zu rüsten:
Hierzu erst einmal ein paar theoretische
Betrachtungen.
Grundsätzlich findet man an jedem umströmten Profil
an den Enden einen sogenannten Randzonenwirbel. D.h. am
Flügelende wird vom Unterdruck Luft von der Luv auf die
Lee Seite gesaugt. Diese turbulente Strömung erzeugt den induzierten Widerstand.
In diesem Bereich ist es unmöglich durch das ein bringen von Latten den
Kite aerodynamisch zu verbessern. Auch das Aussteifen der Profilenden durch
kleine Struts verbessert lediglich die Relauncheigenschaften.
Latten in den Tips bringen nur da Vorteile für die Lenkeigenschaften, wenn die Tips im Verhältnis zu der gesammt Profiltife sehr breit gehalten sind. Bei solchen Kites sind die Latten in den Tips aber meist auch schon eingebaut.
Wann ist ein Kite verbraucht? Lebensdauer?
Auch der stabilste Kite hat verglichen mit einem Surfsegel eine geringe Lebensdauer.
Sonne, den Kite im Wind flattern lassen und Salzwasser setzen dem Kite, speziell dem Spinnakertuch, besonders zu. Aber selbst, wenn man den Kite gut behandelt, kann man davon ausgehen, dass der Kite, den man in der Saison am meisten gebraucht hat, nach einem Jahr verbraucht ist. Aber selbst, wenn man den Tubekite nur zu Hause herum liegen hat, darf man nicht davon ausgehen, dass die Tubes nach 5 Jahren noch die Luft halten.
Denn das Material der Tubes wird alleine von dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff allmählich zersetzt.
Verarbeitung der Kites.
Jeder Kitekonstrukteur steht vor dem gleichen Problem: benutzt man zu viele Verstärkungen leiden die Flugeigenschaften. Bei einer Konstruktion nur nach den Belangen der Flugeigenschaften (sehr wenige Verstärkungen und Materialdopplungen) vergrößert sich das Risiko, Reklamationen zu bekommen.
Also versucht jeder Hersteller einen möglichst guten Kompromiss zu liefern.
Wirklich schlecht verarbeitete Kites
gibt es seit dem Jahr 2002 eigentlich überhaupt nicht
mehr. Denn alle Hersteller verwenden mehr oder weniger die gleichen Materialien,
die Nähte sind gerade und gleichmäßig.
Kites, an denen die Nähte einfach so aufgehen,
gehören endlich der Vergangenheit an.